Infobrief Nr. 2 2005

Liebe Paten der Waisenkinder in Eritrea, liebe Freunde und Spender!

"Die Freude an Gott - und die menschliche Traurigkeit - haben nebeneinander ihren Platz."

Es ist höchste Zeit, Ihnen wieder aus unserer Arbeit in Eritrea zu berichten. Ein besonderes Geschenk war der Besuch des Missionsdirektors der Faith Mission in Eritrea, Pastor Asmelash. Er war vom 3. - 27. Juli unser Gast. Diese Zeit war besonders wichtig und gefüllt mit vielen Terminen, Begegnungen, Absprachen und Diensten.
Gemeinsam mit unserem Vorstand und den Mitgliedern des Vereins konnten wir konkrete Notsituationen und Projekte durchsprechen. Durch Pastor Asmelash bekamen wir einen aktuellen Einblick in die Arbeit der Faith Mission (FM), in die Not in Eritrea - und in das vorbildliche Leben der Christen dort. Alle unsere gemeinsamen Projekte werden begleitet - und "laufen gut"!

Das Witwenprojekt wurde zu einer großen Hilfe. Bisher erhielten 24 Witwen mit ihren Kindern eine neue Lebensgrundlage. Ihrem Wohnsitz und ihren Gaben entsprechend wurde ihnen durch den Kauf von Vieh, Nähmaschinen, Gewerbekühlschränken zum Lebensmittelverkauf, Dreirädern zum Vermieten, Frisörartikeln, usw., geholfen (Wir berichteten im letzten Infobrief). Die Witwen kommen alle aus der Faith Mission, sind Christinen und sehr dankbar für ihre neue Chance.

161 Patenkinder gehen ihren Weg - werden versorgt und erhalten eine gute Schulbildung! Ein ehemaliges Waisenkind schrieb uns, dass 40 Ehemalige inzwischen hauptamtlich als Lehrer oder Pastoren in der Faith Mission arbeiten. Wir könnten noch weiteren Kindern aus sehr armen Familien einen Schulplatz im Internat der FM vermitteln. Sie sollten auch die Möglichkeit haben, durch Fleiß und Wissen ihren Weg aus ihrer Armut herauszufinden.

Ein neuer Gedanke ist, Hauseltern für das Waisenhaus einzustellen. Es ist auf Dauer nicht zumutbar, dass die Lehrer, die schon einen anstrengenden Tagesdienst haben, auch noch nachts mit der Aufsicht der Kinder belastet werden. Wir suchen nach einem geeigneten Ehepaar, nach einer Wohnung im Waisenzentrum - und nach einer entsprechenden Unterstützung.

Insgesamt hat die FM 110 angestellte Pastoren und Lehrer - und muss für deren Gehälter aufkommen (pro: 75 bzw. 105 € monatlich). Einen Teil erhält sie von der "Muttermission" in den USA. Sie brauchen aber unsere Unterstützung. Einige junge Lehrer der FM sind noch an der Front - und fehlen natürlich im Schuldienst!

Die pensionierten Lehrer und Pastoren erhalten nach 40 - 50 Dienstjahren von der FM eine finanzielle Abfindung, mit der sie etwa 3 - 4 Jahre leben können. Und dann ? Auch dort ist Mithilfe nötig!

Die politische Lage ist unverändert. Alle jungen Leute sind im Militärdienst - bauen aber gleichzeitig das Land auf, bestellen Felder, bauen Straßen und Häuser, forsten auf.

Ein ganz großes Geschenk ist der anhaltende Regen. Seit einigen Jahren konnte wegen der Dürre nichts geerntet werden. Nun hoffen und beten alle Eritreer darum, dass die Ernährung der Bevölkerung für dieses Jahr gesichert ist, weil alle wirklich existenziell leiden!

Trotz der Not geht die Leitung der FM mit Grenzsituationen gut um. In vielen Situationen bittet sie die Regierung um Sondererlaubnis: Lebensmittel zur Versorgung der Waisenkinder, Coupons für Benzin .... Die FM ist weiter geachtet, weil sie keine Kritik an der Regierung übt, sondern ihre Arbeit im Land gut und zuverlässig ausführt.

Noch einmal zurück zu unserem lieben Besuch aus Eritrea! Er lehrte uns so viele Dinge, die wir hier in Deutschland verlernt haben:
Er freute sich an allem Grün! "Ihr seid so reich! Bei euch regnet es! So viele bunte Blumen!"

"Eure großen schönen Kirchen sind offen! Ihr dürft euch immer treffen! - Aber so wenig Besucher???"

Asmelash freute sich besonders bei den Diensten in Altenstuben und Frauenhilfen - und bei Einladungen von alten, betenden Freunden! Er sagte mehrfach: "Das ist eure Stärke!" - Eritreer lieben die Alten - und ehren sie! Unsere alten Menschen bekamen einen wohltuenden Eindruck davon - und genossen die lieben, anerkennenden Worte Asmelashs!

Da ist eine kleine Gruppe von 7 Christen in Asseb, der südlichen Hafenstadt Eritreas. Sie möchte eine Gemeinde gründen - und mit dem Bau eines Kindergartens beginnen. Kosten: 60 000 €! Auf unsere Frage: "Wie soll das finanziert werden?", antwortete Asmelash: "God knows!" (Gott weiß es!) Was soll er sonst auch sagen? Es ist kein Geld da!!!

Wir erlebten den Missionsdirektor der FM u.a. in unserer Vorstandssitzung ganz persönlich: Wir baten um Jahresberichte der Witwenprojekte mit Fotos ..... Er sagte zu! Dann erfuhren wir ganz zufällig, dass Asmelash gar keine Kamera besitzt. Bisher bat er einen anderen Pastor oder Schulrektor die nötigen Fotos für uns zu "schießen". Er bat uns nicht etwa um eine Kamera, erhielt aber am Ende 2 wunderschöne als Geschenk! Asmelash hatte seit 1989 für seine Familie kein Kleidungsstück mehr kaufen können. Wir sahen seine abgewetzten Anzüge ... Wieder keine Bitte um materielle Dinge! Ein Freund spendete für die Einkleidung von Asmelashs Familie! Es gab noch mehr Geschenke. Auch Material für die Reparatur von Beinprothesen. Der Koffer würde für den Rückflug nicht reichen! 20 kg Reisegepäck waren nur erlaubt! Was nun? Wir baten die Lufthansa um eine Sondererlaubnis. Sie konnte sie nicht erteilen. Trotzdem packten wir einen neuen Koffer - gefüllt mit allen Geschenken für Notleidende in Eritrea. Es passte alles hinein! Aber da war kein Platz mehr für 1 Päckchen Tempo! Wir schrieben eine Erklärung unserer Situation - und eine Übersicht unserer Projekte in Eritrea .... Erklärungen für den Zoll ... und beteten um die Führung zum richtigen Schalter im Flughafen. Eine freundliche Dame war begeistert von unserer Arbeit und klärte alles mit ihrem Chef! Wir hätten viel bezahlen müssen: 18 kg Übergewicht - pro kg = 35 €! - Auch in Asmara wurde Asmelash freundlich "abgefertigt". Man vertraute ihm!

Wir sprachen über konkrete Nöte in Eritrea - über Wege der Hilfe, die unmöglich scheinen! Aber: "God knows!" Gott weiß, was wir brauchen! Wir hier können uns alles kaufen, was lebensnotwendig ist - und jammern trotz-dem! Asmelash - und die anderen Christen in Eritrea - hört man nicht klagen! Sie vertrauen Gott! Sie haben auch gar keine andere Wahl. Sie würden verrückt vor Sorgen! - Aber sie freuen sich auch wirklich über Gottes Ein-greifen und über seine Hilfe! - Ich las: Engel können fliegen, weil sie sich nicht zu wichtig nehmen! Stimmt!

Nach fast 4 Wochen Deutschland - mit allen bequemen Seiten - freute sich Asmelash wieder auf Eritrea! Er sag-te: " Weißt du, Schokolade essen ist nicht alles! (Er aß so gerne Süßes!) Wenn ich eure Gemeinden sehe, werde ich traurig! Wir wachsen und stehen zu einander! Das spüre ich in Deutschland nicht so!" Es machte uns nachdenklich! - 60 000 € für die Gründung einer Gemeinde - den Bau eines Kindergartens - 30 € monatlich für ein Patenkind - 650 € Grundstock für eine Witwe - Unterstützung der Rentner, Lehrergehälter, Hilfe in besonderen Notlagen und Ermutigung ehemaliger Waisen

"God knows!" Er hat schon begonnen mit einem Geschenk von 3 000 € für den Bau des Kindergartens. Das Vertrauen der eritreischen Christen ist beschämend! Ich wünsche uns, dass wir uns anstecken lassen.

Danke Ihnen allen für alle Hilfe bisher, für jede Spende, jedes Gebet - und jedes ermutigende Wort! Danke auch noch einmal allen, die uns mit Pastor Asmelash einluden! Er fragt bei jedem Telefonat nach Ihnen und lässt Sie lieb grüßen! Bitte beten und geben Sie weiter. "God knows", was Sie brauchen - und er weiß auch, was die Not-leidenden in Eritrea brauchen.

Es grüßt Sie herzlich
der Vorstand von "Weiterleben"
i.A.

Hanna Stieglitz