Infobrief Nr. 3 2004

Liebe Paten der Waisenkinder in Eritrea, liebe Freunde und Spender!

"Sie baten Gott um Kraft für die Arbeit - und der gab ihnen Schwäche, damit sie Gehorsam lernten - im Vertrauen - Geben und Tun."

Das mussten wir in den letzten Wochen wirklich buchstabieren! Die Reaktion auf unseren letzten Hilfeschrei hat uns sehr beschämt! Einige von Ihnen opferten große - andere kleinere Beträge - so wie jeder konnte. Insgesamt überwiesen wir 15.160 € für Nahrungsmittel ans Waisenhaus + 7.840 € für die Ernährung der notleidenden Mitarbeiter der Faith Mission (FM). Viele Freunde meldeten zurück, dass es eine Hilfe war, konkrete Zahlen zu sehen. (z.B.: 1 Woche Grundnahrungsmittel im Waisenzentrum = 3.370 € ! usw.) Danke Ihnen allen für Ihre schnelle Hilfe!!!

Heute schreiben wir Vorstandsmitglieder den Brief an Sie gemeinsam:

Im letzten Infobrief erwähnten wir, dass der Seeweg nach Massawa/Eritrea wieder frei sei. Wissen Sie, was das bedeutet? Im Jahr 2003 hätten wir gerne eine Sendung nach Eritrea geschickt. Leider gab es wegen der politischen Unruhen am Horn von Afrika kein Schiff, das nach Eritrea fuhr. Immer wieder fragten wir bei den Speditionen nach. Im ersten Halbjahr dieses Jahres erfuhren wir sogar, dass die Spediteure ihre Mitarbeiter in afrikanischen Ländern wegen der unsicheren Lage zurückzogen. Was sollten wir tun? Würden wir jemals wieder etwas verschiffen können? Voller Hoffnung und Zuversicht beteten und warteten wir.
Dann kam plötzlich im September 2004 die Nachricht, dass 14 Tage später ein Schiff nach Eritrea fahren würde. Das war zu kurzfristig, darauf waren wir nicht vorbereitet. Es sollte außerdem noch ein Schiff am 4. November 2004 abfahren. Hoffentlich! Das beabsichtigten wir, zu nehmen. Nun mussten wir schnell handeln, denn ab 15. Oktober war ein zweiwöchiger Urlaub geplant.
Wir kauften das Quad für Pastor Berhane George, zwei Helme wurden uns geschenkt, ein paar Musikinstrumente kamen zusammen und in einer Firma waren zu unserer Überraschung treu ein Jahr lang (!) Werkzeuge mit kleinen Fehlern gesammelt worden.
Es wurde eine spannende Zeit. Immer wenn wir uns "in einer Sackgasse" befanden, öffneten sich neue Wege:
Eine Firma erklärte sich bereit, die Verpackung und Versandabwicklung zu übernehmen. Wir fanden jemanden, der das Quad zur Firma fuhr. Ein anderer kümmerte sich darum, dass das Benzin und Öl ordnungsgemäß abgelassen und entsorgt wurde. Die anderen Sachen wurden zusammengetragen und zur Versandabteilung gebracht. Diese achtete dann auf eine sorgfältige Verpackung der sehr verschiedenen Dinge, z. B. musste für das Quad sogar eine spezielle Kiste angefertigt werden. Gerne gaben uns Mitarbeiter Auskünfte oder waren uns behilflich, Papiere auszufüllen. Das Zollamt kam uns mit Erleichterungen bei der Ausfuhranmeldung entgegen. Insgesamt war die Hilfsbereitschaft unerwartet groß und anrührend.

Am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub (14.10.2004) wurden der Versandabteilung der Firma die Papiere übergeben in der Hoffnung, nun alles erledigt zu haben. Der dafür zuständige Versandleiter war nicht erreichbar. Er wollte ein paar Tage später auch in Urlaub fahren. Man gab uns Bescheid, dass noch Papiere fehlten. Die wurden schnell per Post nachgereicht und lagen einen Tag vor dem Urlaub des Versandleiters auf seinem Schreibtisch. Eine Stunde später rief die Spedition an, dass das Schiff am 04.11.2004 nicht fahren werde. Das war ein Schreck - im ersten Moment!

Aber die Möglichkeit einer Verschiffung am 22.10.2004 bestünde, wenn man die Sendung umgehend abholen könne. Da die Sendung - bedingt durch die Urlaubspläne - vorzeitig gepackt wurde und inzwischen alle Papiere vorhanden waren, klappte es!!! Die Sendung hat rechtzeitig das Schiff erreicht und kam wohlbehalten am 17.11.2004 in Massawa/Eritrea an.
War das Maßarbeit??
Wir haben u. a. Werkzeuge verschickt - und wurden selbst zu Werkzeugen. Als Laien haben wir uns voller Vertrauen an diese "schwierige Geburt" gewagt und bekamen viel Unterstützung. Ein ganz herzliches DANKE, DANKE an alle "Geburtshelfer"! Macht das nicht Mut??

Als Schatzmeister und Buchhalter der Vereinsfinanzen komme ich oftmals aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nämlich über die Großzügigkeit mit der Sie, liebe Spender und Freunde, unsere Arbeit so hilfreich unterstützen. Dies macht mich sehr dankbar angesichts der existentiellen Not in Eritrea.
Getreu dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" wird über unseren Partner vor Ort, die Faith Mission, neben der Waisen- und Schulausbildungsarbeit auch die gezielte Unterstützung von besonders Hilfebedürftigen gewährleistet. Da wir auch im Sinne der transparenten Verwendung von Spendengeldern Ihre zweckgebundenen Spenden wie von Ihnen bestimmt einsetzen, bleibt für manche unserer Projekte nur eine minimale finanzielle Ausstattung. Ich möchte Ihnen heute zwei derartige Projekte vorstellen, die einigen, wenigen Unterstützern, aber auch mir persönlich sehr am Herz liegen.

Zum Einen im Projekt "Ehemalige" die Betreuung junger Erwachsener, die ihre schulische und teils auch berufli-che Ausbildung im Waisenzentrum durchlaufen haben und sich danach in ihren Heimatdörfern eine berufliche Existenz aufbauen. Mehrere Pastoren der Faith Mission, die hauptamtlich damit betraut sind, die Schulabsolventen beim Start in die Selbständigkeit zu begleiten, wären für eine finanzielle Unterstützung dieser Arbeit dankbar.

Ein weiteres sehr großes Problem, dass schon in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, ist die Frage der Altersversorgung von Pastoren und Lehrerinnen und Lehrern. Schon immer wurden ältere Menschen, wie auch bei uns vor Errichtung der Sozialversicherungssysteme, von ihren Familien im Alter versorgt. Durch die Kriege der vergangenen 40 Jahre sind ganze Generationen von Nachfahren ums Leben gekommen oder durch schwerste Verletzungen und Behinderungen nicht in der Lage, für ihre Eltern zu sorgen. Zur Zeit können wir diesem wach-senden Problem leider nur mit kleineren Zuwendungen begegnen, indem wir gleichwohl versuchen, aus Ihren hierfür bestimmten Spenden der Faith Mission eine finanzielle Grundlage zu geben. Damit könnte die dauerhafte Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Kleidung für unsere Ruheständler vor Ort ermöglicht werden.

Hilfe zum Leben für Weiterleben e.V. Wuppertal, also für die Menschen in Eritrea, bedeutet, kreative Ideen zu haben und sich mit viel Liebe und Engagement einzusetzen. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Stellvertretend für allen Einsatz, der geleistet wird, möchte ich beispielhaft einige Geldsammelaktionen weitergeben, die in der Freien evangelischen Gemeinde Wuppertal Vohwinkel umgesetzt wurden und damit die Liebe zu den Menschen in Eritrea und zur Arbeit von Weiterleben e.V. Wuppertal wiederspiegeln.
Der Sankt Martinstag war Anlass für zwei erwachsene Personen von Haustür zu Haustür zu ziehen und zu singen, aber nicht für Süßigkeiten, sondern für eine kleine Geldspende. Die Einnahmen wurden für die Waisenkinder in Eritrea gespendet..
Der Bläserchor begleitet Martinszüge verschiedener Vohwinkler Schulen und spendet einen Teil des Erlöses. Seit vielen Jahren geht der Erlös der Verkäufe des Häuschen auf dem Vohwinkler Weihnachtsmarkt nach Eritrea. Zuvor wurde dafür fleißig in der Gemeinde und zu Hause gebastelt. Auch vor Ostern wird fleißig gebastelt und mit großem Erfolg verkauft. Die Kinder vom Kindergottesdienst sammeln regelmäßig für ein Patenkind und verzichten auf Weihnachtsgeschenke, damit die Waisenkinder in Eritrea etwas zu Weihnachten bekommen. Unterstützt wird die Arbeit auch durch Kollekten, z.B. bei einem Adventskonzert oder bei einem Gottesdienst.
Weiterhin kommt es immer wieder vor, dass anstelle von Geburtstagsgeschenken Geld für Eritrea gesammelt wird.
Haben Sie Anregungen erhalten oder spontan eine Idee bekommen, wie Sie für die Menschen in Eritrea etwas Gutes tun können? Wir freuen uns sehr und wünschen Ihnen viel Gelingen beim Umsetzen der Idee in die Praxis. Jeder gespendete Euro ist dabei sehr wertvoll. Vielleicht haben Sie sich aber auch bei der ein oder anderen Aktion wiedergefunden und gedacht: "Ich habe auch schon an meinem Geburtstag für Witwen und Waisen in Eritrea gesammelt", dann gilt Ihnen natürlich auch ein ganz herzliches Dankeschön.

Gemeinsam wünschen wir Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit - mit herzlichen Grüßen an Sie
der Vorstand von "Weiterleben"
i.A.

Hanna Stieglitz